Die Kinderuni macht Kinder schlau. Mach mit bei Vorlesungen, ScienceCamps, MINT-Workshops, Exkursionen u.a.

Rückblick 13.04.2013 mit Bildergalerie: KID GOES MINT Workshops „Nicht TKKG sondern TTT: Tiere in Teich und Tümpel“

Direktlink: https://www.kinderuni-darmstadt.de/8356


In Zusammenarbeit mit dem Zoo Vivarium Darmstadt für Kinder zwischen 8 und 14 Jahren.



Eine kleine Gruppe interessierter Workshop-TeilnehmerInnen erforschte heute zum Thema „Was lebt in unseren Gewässern" per Becherlupe, Binokular und Mikroskop die Artenvielfalt der heimischen Wassertiere. Was im Alltag selten wahrgenommen oder bestimmt wird, wurde heute zum Untersuchungsgegenstand. Fische und Ringelnattern sollten wir nicht zu Gesicht bekommen, da sich diese wegen der lang anhaltenden Kälte noch in Winterstarre befinden. Hingegen sollten wir aber die Möglichkeit erhalten, die vielen kleinen Tiere aus dem Biotop des Zoos Vivarium in aller Ruhe anschauen und studieren zu können.

Zunächst ging es vorbei an Nilgänsen und dem wunderschönen weißen Pfau zum Teich um das Material einzusammeln. In einem kurzen Exkurs in die Botanik am Teich zeigte der Zoopädagoge Frank Velte den Kindern die gerne am Teich wachsenden Bäume Schwarzerle und Weide und erklärte, dass Schwertlilien, Rohrkolben und Schilf bald austreiben würden. Auch die Krebsschere, eine Pflanze, die im Herbst auf den Teichgrund absinkt, würde im Frühling wieder an die Wasseroberfläche kommen. Kleine und große Wasserschnecken - wie die Schlammschnecke und die Posthornschnecke - und der Laich vom Grasfrosch (in Deutschland leben sechs verschieden Froscharten) konnten hier mit bloßem Auge bereits entdeckt werden. Nicht ganz ohne Zögern wurde das Blattmaterial mit den Händen aus dem Wasser gezogen und in einen Eimer gefüllt. „Uh, das stinkt" - ließen die Kinder verlauten, als das Methangas frei wurde, das während der Zersetzung von Biomasse entsteht.

In der Zooschule wurde das Material in Aquarien umgefüllt und warmes Wasser zugesetzt, um die Aktivität der Tiere anzuregen. Zum Einsammeln der Tiere standen Löffel, Pipetten, Gläser, Becherlupen und Petrischalen zur Verfügung. Unter begeisterten Rufen „Ich habe einen Strudelwurm gefunden!" und der Frage „Wo ist denn mein Egel von vorhin geblieben?" wurden den einzelnen Exemplaren sogar Namen gegeben und diese mit „Mister" angesprochen. Die Kinder hatten sichtbar Spaß am Entdecken und Einsammeln der verschiedenen Tiere und an deren genauer Untersuchung.

 

 

Als Beweis für - auch wenn nicht immer sichtbar - vorkommendes Leben im Teich führte Herr Velte ein von den Tieren bis auf die Blattadern zerfressenes Blatt vor. Am Hornkraut saßen gut sichtbar die Tellerschnecken und in den Untersuchungsbecken tummelten sich im Verlauf des Vormittags eine Unmenge verschiedener Schneckenarten. Sie sind massenhaft in unseren Teichen vorhanden und bilden hier mit die größte tierische Biomasse. Mit ihren Raspelzungen, die sie permanent ein- und ausfahren, fressen sie und können anhand dieser sogen. Radula identifiziert werden.

Larven von Mücken, Käfern und Libellen tummelten sich im trüben Wasser, in dem sich nach einiger Zeit die Schwebstoffe setzten. Hiernach wurden auch die kleinen Taumelkäfer als schwarze, immerzu zappelnde Punkte sichtbar. Unter dem Binokular zeigte sich die zum Teil etwas gruselig anmutende Physiologie der Tiere, wie die des Springschwanzes - einem Urinsekt, das ohne Flügel ausgestattet ist - und der größeren Zuckmücken- und Schwebfliegenlarven. Sympathischer wirkten die zwei der ca. dreißig bis vierzig deutschen Egelarten, die von den Kindern gefunden wurden, auch aufgrund ihrer glatteren, zum Teil auch gestreiften Körper. Auch der Strudelwurm - eine Planarie - wurde sichtbar. Im Wasserschneckenlaich konnte per Binokular sogar ein Zwilling ausgemacht werden. Bei der Untersuchung der Wasserasseln - einer Krebsart - konnte man kleine Trompetentierchen - einzellige Lebewesen - auf deren Hinterteilen erkennen. Und unter dem Mikroskop, in 4000-facher Vergrößerung, konnten im Teichwasser die aus einer einzigen Zelle bestehenden Glockentierchen mit ihren Wimpernorganellen und langen Stilen beobachtet werden.

Besonders interessant und auch besonders schnell waren die Liebellenlarven: Die Larven der Kleinlibelle und der Großlibelle unterscheiden sich in ihren anatomischen Merkmalen zur Wasserveratmung: Kleine Libellenlarven besitzen drei fein durchaderte Anhänge am Hinterleib - sogen. Blattkiemen - durch die sie atmen. Die großen Liebellenarven hingegen verfügen über feine, stark durchblutete Verästelungen innerhalb ihres Hinterleibs, durch die sie permanent Wasser einsaugen und es veratmen. Der sich bei ihnen ständig in Bewegung befindende Hinterkörper war sogar ohne Binokular gut sichtbar, per Binokular aber wirklich beeindruckend in Gestalt und Form. Als Nahrung dienen den Larven Kaulquappen oder auch sehr kleine Fische, die sie - ähnlich der Gottesanbeterin - blitzschnell mit einer unter dem Kopf befindlichen Fangmaske einfangen. Nachdem sich die ausgewachsenen Libellenlarven an die Schwertlilien am Teich heften, vollziehen sie - wie die Schmetterlinge - eine vollständige Verwandlung. Ihre Haut bricht am Rücken auf, der Libellenkörper kommt heraus und entfaltet seine Flügel. Die sogen. Exuvie, eine vollständige und hohle, trockene Libellenhülse bleibt übrig. Hierzu zeigte Herr Velte den Kindern ein Exemplar. Auch im geschlüpften Zustand sind Libellen sehr unterschiedlich: Großlibellen können ihre Flügel nicht zusammenlegen, Kleinlibellen hingegen schon. Beide jagen und fressen vor allem andere fliegende Insekten.

Eine faszinierende Lebensgemeinschaft in Teich und Tümpel hat sich den Kindern durch diesen Workshop umfassend eröffnet. Dem geschulten Blick von Herrn Velte entging nichts und die Zuordnung der gefundenen Tiere anhand eines Arbeitsblattes resümierte den spannenden und sehr aktiven Vormittag. Leider konnten wir die hauptsächlich im Sommer vorkommenden Wassermilben, Wasserflöhe und Molchlarven zu dieser frühen Jahreszeit noch nicht beobachten. Auch Kaulquappen, Larven von Schwanzlurchen, Wasserwanzen - wie den Wasserskorpion, der eine unvollständige Verwandlung vollzieht - und die selteneren Süßwasserpolypen konnten wir heute nicht finden. Aber sie werden kommen! Wasserspinnen gibt es bei uns nicht. Und da das Vorkommen des Schlammröhrenwurms Hinweis auf eine schlechte Wasserqualität gibt, waren wir ganz froh, diesen nicht entdeckt zu haben.

Zum Abschluss ergab sich für die Kinder noch ein besonderes Highlight: Sie durften eine von Herrn Velte an den Umgang mit dem Menschen gewöhnte Königspython streicheln. Mit gehörigem Respekt und unter wachsamen Augen staunten die Kinder darüber, wie angenehm sich die Schlange anfühlte. Als Abschiedsgeschenk erhielt jedes Kind noch ein dickes Stachelschweinhaar, welches in Afrika als Schreibfeder genutzt wird. Vielen Dank, Herr Velte, für diesen spannenden KID GOES MINT-Workshoptag.



Billdergalerie: