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Wieder auf Entdeckungstour - der KID-Forscherclub im Herbst 2015

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Kinder sind die geborenen Forscher. Das merkt man stets auf Neue, wenn sie zusammen im Forscherclub unterwegs sind. In Forschungseinrichtungen aller Disziplinen treffen sie in Darmstadt auf "echte" Wissenschaftle. Sie erfahren, was die versuchen herauszufinden und sie können selbst verschiedene Arbeitsschritte und Versuche nachmachen. So lernen sie viele Darmstädter Forschungseinrichtungen kennen und können sich ein Bild davon machen, was hinter den dicken Mauern passiert. Hier berichten wir vom Forscherclub im Herbst 2015.

Wieder auf Entdeckungstour - der KID-Forscherclub im Herbst 2015
Besuch des KID-Forscherclubs im Fachgebiet für Papierfabrikation und Mechanische Verfahrenstechnik des Instituts für Maschinenbau an der TU Darmstadt

Forscherclub am 16. September 2015

Wie macht man aus Altpapier neues Papier?

Besuch des KID-Forscherclubs im Fachgebiet für Papierfabrikation und Mechanische Verfahrenstechnik des Instituts für Maschinenbau an der TU Darmstadt Besuch des KID-Forscherclubs im Fachgebiet für Papierfabrikation und Mechanische Verfahrenstechnik des Instituts für Maschinenbau an der TU Darmstadt

Zwölf Kinder – neun Buben und ein Mädchen – haben sich am 16. September zum Auftakt des Herbst-Forscherclubs unter dem Torbogen in der Alexanderstraße eingefunden. Ziel war  das Fachgebiet für Papierfabrikation und Mechanische Verfahrenstechnik der TU Darmstadt. Anke Gottschling, eine Doktorandin des Fachgebiets, nahm die Gruppe in Empfang und führte sie in die verwinkelten Laborräume. Dort hatte sie zusammen mit der Laborantin Zharia Pourkian bereits einige Versuche vorbereitet. Zuvor mussten die Kinder aber lernen, dass man in einem Labor Sicherheitshinweise beachten muss: nichts essen oder trinken, auf mögliche Stolpergefahr und Rutschgefahr achten, nur die Maschinen anfassen, mit denen gearbeitet wird.

Dann aber ging es richtig zur Sache. Zeitungspapier wurde in kleine Schnipsel gerissen und in die Rührschüssel einer normalen Haushaltsmaschine gelegt. Dann wurde mit einem ganz normalen Wasserkocher Wasser heiß gemacht und dazu gegossen. Mit einem großen Rührer wurde die Pampe dann zwanzig Minuten lang gerührt. Inzwischen zeigte Zhari mit der bereits vorbereiteten Pampe, die von den Wissenschaftlern Faserstoff genannt wird, die Arbeitsschritte, die notwendig sind, um Nutschenblätter zu machen. Es werden 40 g Faserstoff in einem großen Messbecher abgewogen und mit Wasser aufgewirbelt. Dann wird ein Filterpapier in ein rundes Porzellansieb gelegt und die Faserbrühe in einem Rutsch durchgegossen. Auf dem Filterpapier bleibt der Faserstoff gleichmäßig liegen. Es kommt noch ein anderes rundes Papier oben drauf und dann wird das ganz in eine Art Waffeleisen mit glattem Boden gelegt und fest zugedrückt. Nach zehn Minuten kann man das beheizte Trockengerät aufmachen und das Nutschenblatt zwischen den beiden Filterblättern herausnehmen. Alle Kinder durften sich nach und nach ein Blatt machen. Je nachdem wie viel Faserstoff man verwendete, wurde das Blatt dicker oder dünner. In einer Präzisionswaage konnten die Kinder ihre Blätter wiegen.

Außerdem haben wir Laborblätter gemacht. Dazu wurde das zerschnipselte Papier erst in einem großen Bottich mit viel Wasser und einer Chemikalie gerührt. Es bildete sich ein schmutzig grauschwarzer Schaum, der nach unten in einem Extrabehälter abfloss. Das war die Farbe. Die Leute im Labor nennen diese Druckfarbenentfernung auf Englisch Deinking. Wir haben gerührt bis der Schaum weiß war. Das bedeutete, dass sich keine Farbe mehr aus dem alten Zeitungspapier herauslöste. Die Laborblätter haben wir fast genauso gemacht, wie die Nutschenblätter, aber wir haben kein Porzellansieb, sondern ein Drahtsieb verwendet. Außerdem wurde das Wasser von unten in den Zylinder, in dem das Sieb lag, hinein gesprudelt. Die Blätter waren auch größer und mussten länger getrocknet werden und wir haben ausprobiert, wie dünn man ein Blatt machen kann.

In einem anderen Labor, dem Messraum, haben wir noch gemessen, wie die Qualität der Nutschenblätter und der Laborblätter war. Am Computerbildschirm sah man die Struktur stark vergrößert und konnte erkennen, dass einzelne farbige Fasern in den Blättern waren. Bei den Blättern, die wir aus Zeitungspapier gemacht hatten, sah man einen deutlichen Unterschied in der Helligkeit, je nachdem, ob die Druckfarbe entfernt worden war oder nicht. Die Blätter waren entweder ziemlich dunkelgrau oder hellgrau.

Dann zeigte uns Frau Gottschling noch ein Nutschenblatt und ein Laborblatt, das nicht aus Zeitungspapier, sondern aus farbig bedrucktem Papier aus dem Inkjet-Drucker gemacht worden war. Bei den Blättern sah man kaum Unterschiede. Egal, ob die Farbe entfernt worden war oder nicht, es sah fast gleich aus, ziemlich dunkelgrau. Wir haben erfahren, dass das daran liegt, dass die ölige Druckfarbe aus dem Zeitungspapier sich besser herauslösen lässt als die wasserlösliche Farbe vom Inkjet-Drucker aus dem Druckerpapier.

In dem Raum stand auch ein 3D-Drucker, mit dem Studenten Gegenstände aus Papiermasse drucken. Die durften wir aber nicht anfassen.

Damit war unser erster Laborbesuch zu Ende und jeder konnte seine selbst gemachten Papierblätter mit nach Hause nehmen.